Haut auf Haut

November 2020

Die meisten Eltern glauben, von Anfang an intuitiv zu wissen, welche Bedürfnisse ihr Baby hat. Dies ist jedoch relativ selten der Fall, da sich ein Bauchgefühl erst entwickeln muss. Die Eltern in diesem Prozess zu begleiten und zu stärken, ist von großer Bedeutung. Ein besonders wirkungsvolles Mittel hierfür ist der Hautkontakt zwischen Eltern und Baby, den wir in der Geburtshilfe des Severinsklösterchens aktiv fördern. Hebamme Vera Witsch erläutert den Fokus „Haut auf Haut“:

Wenn die Eltern in den ersten Lebenstagen so viel wie möglich im Hautkontakt mit ihrem Baby sind, entwickeln alle Beteiligten eine extreme Oxytocin-Ausschüttung. Dieses Hormon hilft den Eltern dabei, die feinen Signale des Babys wahrzunehmen, sie zu verstehen und auf sie einzugehen. Babys sollten möglichst früh die Erfahrung machen, dass ihre Eltern prompt und zuverlässig auf ihre Signale reagieren. Sie schreien dadurch weniger und fühlen sich bei ihren Eltern besonders beschützt und behütet – auch wenn Zusatzuntersuchungen wie z.B. der Hörtest und eventuelle Blutabnahmen durchgeführt werden müssen.

Außerdem sind die Babys nur im engen Hautkontakt perfekt gewärmt. Dadurch konnten in der Vergangenheit Blutzuckerschwankungen reguliert und die Phototherapie-Rate bei erhöhtem Bilirubin-Wert halbiert werden. Ebenfalls konnten Stillschwierigkeiten reduziert werden. All diese Faktoren führen dazu, dass sich die Familien nach der Geburt deutlich besser entspannen und schneller zusammenwachsen.

Und auch das Klinik-Personal profitiert von dem Haut-auf-Haut-Konzept: Es spart Zeit, weil keine Babywäsche mehr gefaltet werden muss. Des Weiteren fällt die Einschätzung von Mutter und Kind viel leichter und zugleich schonender für das Kind aus, wenn die Babys dauerhaft nackt im Hautkontakt sind.

Insgesamt hat der Hautkontakt demnach nicht nur bindungsfördernde, sondern auch gesundheitspräventive Auswirkungen und fördert gleichzeitig die Ressourcen von Eltern, Baby und Personal. Nur wenn Kinder von Beginn an eine sichere Basis haben, können sie sich selbstbewusst und empathisch entwickeln; dem Leben mit Mut und Spaß begegnen. Wir auf der Wochenstation Monika unterstützen die Eltern gerne darin, in diese Position hineinzuwachsen.